Als die Bilder sprechen lernten

100 Jahre Tonfilm

Es ist der 17. September 1922. Der Weltkrieg liegt nun bald vier Jahre zurück. Heute ist ein großer Tag. In wenigen Minuten findet hier – in der Alhambra in Berlin – eine Weltsensation statt. Und drei Personen – Joseph Massolle, Hans Vogt und Jo Engl – sind dafür verantwortlich. Die Zuschauer strömen in das Kino – mehr als 1.000 werden es sein – darunter auch Albert Einstein. Und sie sind wegen etwas Ungeheuerlichem hier: Es wird erstmals der sprechende Film präsentiert.

Unsere Sonderausstellung zeigt den Weg der Erfindung des Tonfilms und seine Weiterentwicklung auf. Ein Bielefelder - Joseph Massolle - war daran maßgeblich beteiligt. Die Erfindung der Triergon-Leute (Joseph Massolle, Jo Engl und Hans Vogt) sollte den Film grundsätzlich verändern und weltweit revolutionieren.

Als die Bilder sprechen lernten

100 Jahre Tonfilm

Weiterentwicklung der Technik

Wir wollen in der Ausstellung aber nicht mit Massolle enden, sondern zeigen, wie sich der Tonfilm mit neuen Verfahren technisch weiterentwickelt hat: Während Massolles Aufnahmegeräte noch bis Anfang der 1950er Jahre bei der Defa in Babelsberg weiter genutzt wurden, hatten Klangfilm-Ingenieure Anfang der 1930er Jahre bereits ein Lichttonverfahren entwickelt, das Qualitätsverbesserungen bezüglich Rauschen und Sprachverständlichkeit ermöglichte. Ab 1949 übernahm die neuartige Magnetton-Technik (bei der AEG Mitte der 1930er Jahre zur Serienreife entwickelt) die wichtigsten Schritte bei der Produktion von Filmen: Es wurde statt auf Lichtton erst auf Magnetton aufgezeichnet, was sehr viel preisgünstiger und vor allem schneller war: Man konnte das Ergebnis sofort abhören und musste nicht auf die Entwicklung und Kopierung der Lichttonnegative warten, um dann den Ton zu kontrollieren.

Streit um den Tonfilm und seine Durchsetzung

Es sollte allerdings noch bis 1929 dauern, bis sich die Erfindung am Markt, in den Ateliers und Lichtspielhäusern durchsetzte. Massolle wird technischer Direktor der Tobis, übernimmt die Ton-Regie bei dem Hans-Albers-Film „Die Nacht gehört uns“ (1929) bildet die ersten Tonmeister aus, konstruiert neue Lichtton-Wiedergabe- und Aufnahmegeräte und Ton-Kopiermaschinen. Seine Aufnahmegeräte haben den unübertrefflichen Vorteil, dass sie klein und beweglich sind und direkt am Set stehen können, während Klangfilm seine Tonmeister in weit entfernte Kabinen stecken muss.
Dennoch gab es am Anfang viele Gegenstimmen und Proteste gegen den Tonfilm. Vor allem die Stummfilmmusiker fürchteten – nicht zu Unrecht – um ihre Arbeitsplätze. Plakataktionen mit Texten wie „Tonfilm ist wirtschaftlicher und geistiger Mord“ oder „Tonfilm ist Kitsch“ sollten auf die „Gefahren“, die der Tonfilm angeblich mit sich bringt, aufmerksam machen. Den Siegeszug des Tonfilms konnten diese Aktionen allerdings nicht verhindern.

Das alles passiert in einer Zeit riesiger sozialer Verwerfungen – die große Wirtschaftskrise hatte die Welt fest im Griff. Während in Deutschland sechs Millionen Menschen ohne Arbeit waren, trat der Tonfilm seinen Siegeszug an.

Das digitale Zeitalter

Als das Bild digital wurde, verschwand der Lichtton aus den Lichtspielhäusern. In Bielefeld war das um 2012 der Fall. Was hat die Digitalisierung für die Weiterentwicklung des Tonfilms bedeutetet? Die gesamte Filmbranche – Produktion und Kino – haben sich grundlegend dadurch verändert.
Eines von zahlreichen Beispielen ist der Surround-Sound aus leichtem rollengedruckten Lautsprecher-Papier, das von der TU Chemnitz entwickelt wurde. Viele Lautsprecher der Zukunft werden, wenn es nach dem Institut für Print- und Medientechnik der Technischen Universität Chemnitz geht, nicht nur dünn wie Papier sein, sondern es auch eindrucksvoll zum Klingen bringen. Gedruckte Lautsprecher erzeugen z. B. überraschende Urwald-Illusion: Die in eine Papierbahn eingebettete gedruckte Elektronik ermöglicht einen 360°-Surround-Sound.

Der Bielefelder Joseph Massolle und seine genialen Erfindungen

Joseph Massolle war ein technikverrückter Mensch. Er wurde 1889 in Bielefeld geboren. Sein Vater war Schneider. Er absolvierte bei den Phönix Nähmaschinen-werken eine Lehre als Werkzeugmacher. Tatsächlich interessierte ihn aber die gerade entstehende Nachrichtentechnik.

Vor 100 Jahren – Die erste Tonfilmvorführung in der Alhambra in Berlin

Als vor 100 Jahren über 1.000 begeisterte Besucher die ersten Tonfilme sahen, war die Filmwirtschaft noch nicht so weit. Man reagierte verhalten auf die sensationelle Erfindung. Es brauchte noch sieben Jahre, bis sich der Tonfilm durchsetzte.
Heute erleben wir im Kino und auch zu Hause den Ton in digitaler Qualität und mehrkanalig – aber wie ist es dazu gekommen? Die Ausstellung zeichnet die wesentlichen Entwicklungsschritte nach – von ihren Anfängen bis heute. Meilensteine der Filmgeschichte - wie der Filmklassiker M von Fritz Lang – illustrieren die Tonfilmentwicklung.